Wega 142

Einmal mehr erhielt ich ein Gerät von meinem besten Auftraggeber zur Reparatur. 

Es handelte sich diesmal um ein Radio in der von ihm so geliebten Pultform, um ein Wega 142 aus dem Jahre 1967/68, das er aus einem Nachlass mitgenommen hatte.

Das Radio war bei dem Verblichenen wohl in fast täglichem Gebrauch und erfreute sich in Sachen Wiedergabe noch bester Gesundheit. 

Der Grund, aus dem es den Weg zu mir fand, bestand in einem nachträglich hineingebastelten Netzschalter, der die Funktion des defekten Originalteils ersetzen sollte.

Das gute Stück bei der Ankunft auf meiner Werkbank.
Das gute Stück bei der Ankunft auf meiner Werkbank.
Der sehr unschön nachgerüstete Netzschalter.
Der sehr unschön nachgerüstete Netzschalter.

Beim Drücken des ursprünglichen Netzschalters rastete dieser nicht in der gedrückten Stellung ein und man merkte auch, dass man irgendwie ins Leere drückte. Der einzige Widerstand bestand in der Feder, die die Taste wieder in die Ruheposition zurückführt.

Das gleiche Verhalten zeigte die Musik/Sprache-Taste.

 

Das Öffnen des Gerätes könnte einfacher nicht sein: Man zieht zunächst den Stecker der im Boden angebrachten Dipolantenne heraus und kann die Bodenplatte nach dem Lösen einer zentralen Befestigungsschraube einfach abheben. 

Darunter verbirgt sich ein recht kompaktes Chassis sowie ein im Vergleich zur Gehäusegröße recht imposanter Lautsprecher. 

Nach dem Abziehen der Bedienknöpfe und dem Lösen vierer Muttern kann das Chassis einfach herausgehoben werden. Den Lautsprecher muss man ablöten, die Aussteuerungsanzeige ist auf der Platine steckbar ausgeführt.

Das Kühlblech des 2N3055 ist mit einem Stück Asbest unterlegt, was ich sonst nur von Röhrengeräten kenne, aber sehr interessant war. Es kann beim Ausbau des Chassis einfach im Gehäuse verbleiben.

 

Die Mechanik der Drucktasten ist recht aufwändig, aber leider vollkommen in Kunststoff ausgeführt. 

Die Betätigungsmimik der Drucktasten.
Die Betätigungsmimik der Drucktasten.

Über Hebel wirken die Drucktasten auf ein Joch aus weißem Plastik, das über einen transparenten Kunststoffring an den Schaltschieber gekoppelt ist. Auf diesen Ring wirkt auch die Rückstellfeder. Die Schalter an sich sind die bekannten, extrem weit verbreiteten Exemplare, die man bis heute in solchen Anwendungen vorfinden kann und die normalerweise immer für massive Kontaktprobleme sorgen, was hier jedoch zum Glück nicht der Fall war.

Wie man auf dem Bild sieht, reicht der Schaltschieber in die Gabel des Jochs hinein oder sollte dies zumindest, denn an den beiden äußersten Schaltern sieht man, dass dies nicht länger der Fall ist. Die durchsichtigen Kunststoffringe waren gebrochen und so konnte der Schalter zwar einmalig gedrückt werden, kehrte aber niemals in die Ruhelage zurück, da die Feder nur auf den Ring und nicht auf den Schaltschieber wirkt. Was für eine hirnverbrannte Konstruktion! Jeder andere Hersteller hatte am Ende des Schaltschiebers einen Sprengring, auf den die Feder direkt wirkte. Aber gut, es ist, wie es ist.

Elektrisch war die Funktion voll gegeben. Mit einem Schaschlikspieß konnte ich den Schaltschieber manuell verschieben und der Schalter tat, was er sollte. Es galt also nur, den Kunststoffring irgendwie in seiner Funktion zu ersetzen. 

 

Tatsächlich verwendete ich einige Zeit darauf, mir Gedanken über dieses Problem zu machen, bis es mir wie Schuppen von den Augen fiel: Es bestand keinerlei Notwendigkeit, diese Verbindung in irgendeiner Form beweglich auszuführen. Wäre die ganze Schaltstange ein Teil, würde die Mechanik genauso funktionieren. Oft sieht man eben vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. 

 

Kurzerhand bohrte ich durch das Ende des Schaltschiebers ein 1 mm-Loch und durch das Betätigungsjoch ebenso. Durch diese Löcher zog ich ein Stück Blumendraht (es klingt weit unprofessioneller, als es letzten Endes war) und verdrillte es mit der Flachzange, bis es Spannung entfaltete. Fertig. 

Nun konnte die Feder den Schaltschieber wieder mitziehen und die Schalter taten ihren Dienst. Auch die Betätigung fühlt sich wieder genauso an, wie man das von diesen Schaltern kennt.

Drahtbrücke in der Betätigungsmechanik.
Drahtbrücke in der Betätigungsmechanik.

Ich erwog, präventiv alle Schalter dementsprechend zu bearbeiten, nahm dann aber wieder Abstand davon, da sie alle die Bereichsumschaltung vornehmen und somit wohl nie wieder gedrückt werden. Das Gerät wird wohl immer auf UKW stehen. Demnach ist eigentlich nur der Netzschalter von dauerhaftem Interesse. 

 

Da das Radio wieder in den Alltagsbetrieb gehen sollte, tauschte ich noch alle Elkos, derer es nur fünf gab und die zum Teil auch schon ausgelaufen waren. Alle anderen Bauteile waren unkritisch. 

 

Nach dem Einbau des Chassis folgten noch kleinere kosmetische Maßnahmen. Zum einen musste der scheußliche, nachgerüstete Netzschalter beseitigt werden. Ich kam mit dem Besitzer überein, daß das entstandene Loch einfach durch eine Blende verschlossen werden sollte, da der Zeitwert des Gerätes große Gehäusearbeiten nicht rechtfertigt hätte. 

Das Werk eines echten Meisters...
Das Werk eines echten Meisters...
Nicht perfekt, aber kosmetisch tragbar.
Nicht perfekt, aber kosmetisch tragbar.

Es begab sich, daß ich zufällig noch eine Abdeckung aus einem alten UV/vis-Detektor für genau solche Fälle aufgehoben hatte. Jetzt konnte sie endlich zum Einsatz kommen. 

Puristen werden zurecht einen Fauxpas in den Kreuzschlitzschrauben sehen, allerdings hatte ich nichts passendes an dekorativen Schlitzschrauben im Haus. Restauration bedeutet eben auch oft Kompromisse. 

 

Zuletzt beseitigte ich noch die obligatorischen Sendermarkierungen auf der (hier leider schon aus Kunststoff bestehenden) Skalenscheibe. Zu meinem Unmut waren sie mit Tonbandklebeband realisiert worden, was ihre Entfernung recht schwierig machte, da der Kleber exzellent auf dem Plastik hielt. Mit reichlich Waschbenzin erzielte ich jedoch recht gute Erfolge, sodaß die Klebestellen nur mehr im richtigen Winkel schemenhaft zu erkennen sind.