TFK Gavotte

steckbrief

Modell: Gavotte 55

Baujahr: 1954/55

Röhren: ECC85, ECH81, EF89, EABC80, EL84, EM80

Kreise: 6AM/9FM

Preis: 20,-€

Anschaffung: 12.02.16

Fertigstellung: 04.09.16

Bänder: LW, MW, UKW, (TA)

Gehäuse: Holz, Kunststoff

Antennen: UKW-Gehäusedipol

Abstimmung: AM: Drehko

                           FM: Drehko

Klangregister: Höhen, Tiefen

Damal. Preis: 269,-DM

Link zu rm.org: Gavotte 55

reparaturbericht

An dieses Radio kam ich damals über das DRF.

Ich erhielt, um die Kaufentscheidung zu treffen folgende Bilder, die den Ausgangszustand des Geräts zeigen.

Ich versäumte, selber welche zu machen, daher müssen diese genügen:

Etwas verdreckt und mit einem Riß im Plastkgrill wirkt das Gerät ziemlich heruntergekommen, doch bietet es Potetential!
Etwas verdreckt und mit einem Riß im Plastkgrill wirkt das Gerät ziemlich heruntergekommen, doch bietet es Potetential!
Der Lack sah schon bedeutend schlechter aus. Der obligatorische Blumenvasenfleck durfte natürlich nicht fehlen und es gab zig Abplatzungen. (siehe auch auf Bild 1)
Der Lack sah schon bedeutend schlechter aus. Der obligatorische Blumenvasenfleck durfte natürlich nicht fehlen und es gab zig Abplatzungen. (siehe auch auf Bild 1)
Das Innenleben wiederum war vollständig und bot einen wesentlich besseren Anblick. Es erinnert dezent an die NM Elektra Modelle.
Das Innenleben wiederum war vollständig und bot einen wesentlich besseren Anblick. Es erinnert dezent an die NM Elektra Modelle.
Hier eine Detailaufnahme des Tuners, der auch gut Dreck angesetzt hatte.
Hier eine Detailaufnahme des Tuners, der auch gut Dreck angesetzt hatte.
Der Lack war nicht mehr zu retten...
Der Lack war nicht mehr zu retten...
Die Rückwand wiederum dabei und sah noch sehr gut aus bis auf die Tatsache, daß sie ein paar Wellen warf.
Die Rückwand wiederum dabei und sah noch sehr gut aus bis auf die Tatsache, daß sie ein paar Wellen warf.

Insgesamt war dies doch ein ganz guter Ausgangszustand, auf den ich aufbauen konnte.

Wie immer machte ich einen Test an der Vorschaltlampe. Dabei fiel mir die hohe Stromaufnahme auf und mehr als ein Rauschen brachte ich nicht zustande. Hinzu kam noch ein nicht unerheblicher Netzbrumm.

- Also ein ganzes Stück Arbeit...

Diese begann mit einer fummeligen Reinigung, da das Chassis recht klein und eng ist:

Chassis vor der Reinigung und noch fast im Originalzustand. Nur der ausgelaufene Netzteilelko ist sichtlich ersetzt, um einen ersten Test machen zu können.
Chassis vor der Reinigung und noch fast im Originalzustand. Nur der ausgelaufene Netzteilelko ist sichtlich ersetzt, um einen ersten Test machen zu können.
Während der Reinigung. Links der AÜ, mittig der Hauptschalter. Dazu später mehr.
Während der Reinigung. Links der AÜ, mittig der Hauptschalter. Dazu später mehr.

Nachdem die Reinigung abgeschlossen war, begann ich mit dem Tausch der Kondensatoren, was besonders bei dem Becherelko nötig war. Auch tauschte ich wie immer die Sicherung.

Beim nächsten Einschaltversuch stellte ich immer noch eine hohe Stromaufnahme fest und tauschte den Selen-Gleich-Ri(e)cht-Er. Das brachte allerdings auch keine Besserung. Nur war jetzt die Anodenspannung zu hoch, folglich schaltete ich das Gerät auf 240V Netzspannung um, womit das wieder behoben war.

Das nächste war der Netzschalter. Er schaltete nicht mehr ab, sondern bildete im Inneren einen Lichtbogen.

Beim Auseinanderbauen fand ich Metallspäne zwischen den Kontakten, vermutlich Abrieb von der Schaltwalze.

Also reinigte und schmierte ich alles neu und siehe da: Nach einem fummeligem Zusammensetzen klappte zumindest das wieder.

Da es wichtigeres gab, stellte ich das Chassis erstmal in die Ecke und wartete ein paar Monate, bis ich mich erneut der Stromaufnahme widmete. Das Gerät spielte schon wieder einigermaßen.

 

Schnell stellte ich fest, daß das Problem in der Anodenspannung liegen musste und hatte zuerst eine falsche Lötstelle meinerseits im Verdacht, von der ich auch eine fand, die jedoch nicht für den Fehler verantwortlich sein konnte. Ich hatte den Kathodenelko an der EL84 verpolt angeschlossen. Ein Wunder nur, daß er mir nicht längst um die Ohren geflogen war. Schnell hatte ich ihn ausgetauscht und suchte weiter. Da ich alle Kontakte überprüft hatte, ohne einen Fehler zu finden, mußte es irgendwas anderes sein.

Jetzt tippte ich auf eine Kriechstrecke in den Pertinaxschaltern, was sich bestätigte, als es beim nächsten Einschalten unter dem Chassis blitzte und knallte/zischelte. Danach war endgültig Ruhe.

 

Normalerweise sieht man spätestens jetzt eine verkohlte Stelle, was hier jedoch nicht der Fall war und zu allem Überfluß ist das Tastenaggregat auch noch ziemlich eng und mehrstöckig aufgebaut. Andererseits meinte ich, der Lichtbogen sei auch daneben und nicht direkt in den Kontakten aufgetreten...

 

Wie so oft führte ein systematisches Vorgehen zum Erfolg: Vom Trafo plante ich mich an der Anodenspannungsleitung entlang zu hangeln, doch lange brauchte ich gar nicht, denn ich fand den Defekt direkt in der Pertinaxleiste, wo die vom Trafo kommenden Kabel angelötet waren.

Allerdings war dieser Teil nicht optisch als defekt zu erkennen, denn die Verschmorung war auf der dem Chassis zugewandten Seite.

Das Problem war dann auch schnell behoben: Ich lötete die Kabel ab und verband sie unter einem Schrumpfschlauch erneut. Jetzt stimmte wieder alles.

Der Empfang ließ sich durch die Reinigung der ECC85-Pins erheblich verbessern und auch die EM80 gab noch ausreichende Lebenszeichen von sich.

Die freigelöteten Lötöse und die mit dem gelben Kabel hatten einen Kurzschluß, der optisch nicht auffiel.
Die freigelöteten Lötöse und die mit dem gelben Kabel hatten einen Kurzschluß, der optisch nicht auffiel.
Der Kondensatortausch ist abgeschlossen, das Chassis von blauen Klötzchen besiedelt (Sämtliche Puristen mögen mir die Knochen verfluchen). Noch ist alles unschön frei verdrahtet.
Der Kondensatortausch ist abgeschlossen, das Chassis von blauen Klötzchen besiedelt (Sämtliche Puristen mögen mir die Knochen verfluchen). Noch ist alles unschön frei verdrahtet.
Jetzt sind die Bauteile fertig montiert (s. Netzteilelkos und GL). Die schwarze Wurst links im Bild beinhaltet vier Si-Dioden und bildet den GL-Ersatz.
Jetzt sind die Bauteile fertig montiert (s. Netzteilelkos und GL). Die schwarze Wurst links im Bild beinhaltet vier Si-Dioden und bildet den GL-Ersatz.

Nachdem die Technik wieder in Ordnung war, ging es an die Optik.

Die Knöpfe und Tasten flogen wie immer ins Bad mit dem Zahnersatzreiniger und die Skalenscheibe polierte ich mit etwas Waschbenzin wieder auf.

Dem Plastikgrill rückte ich mit Allesreiniger zu Leibe. So weit, so gut.

Bedeutend mehr Sorgen bereitete mir das Gehäuse.

Daß der Lack nicht mehr zu retten war, war mir klar und so begann ich, ihn mit Aceton und ca. 200 Wattepads vom Holz zu waschen. Eine widerliche Arbeit, doch klappt es ganz hervorragend.

Da ich mit solchen Sach auf Kriegsfuß stehe und beim besten Willen nicht die Möglichkeit hatte, den alten Farbverlauf mittesl Airbrush oder ähnlichem wieder herzustellen, befand ich, daß ein Naturton auch nicht zu verachten sei und griff kurzerhand zum Klarlack. Nach einigen Schichten mittels Ballenauftrag war ich mit dem Ergebnis zufrieden und konnte nun also alles wieder verschrauben. Bis heute bin ich der Meinung, daß der hellere Ton dem Radio sogar gut tut und es freundlicher wirken lässt, aber auch das ist sicher Geschmackssache.

Zwischenzeitlich kam ich noch ins Fluchen, weil ich das Döschen mit den Schrauben verlegt hatte, doch nach einigem Suchen fand ich auch dieses wieder - Gut Haus verliert nichts!

 

Abschließend würde ich sagen, daß die Restaurierung nicht zu meinen Lieblingen zählt, da alles sehr eng und fummelig ist, doch das Ergebnis lohnt. Allerdings würde ich es nicht gerade als Anfängergerät empfehlen.

Im Betrieb bereitet es wiederum großen Spaß, zumal es einen guten Klang und eine ganz angenehme Optik hat. Die runde Form ist mal was anderes als die ewig klobigen Gehäuse. Nur mutet es etwas so an, als hätten sich die Konstrukteure nicht entscheiden können, denn auf den ersten Blick wirkt es wie eine Mischung aus Küchenradio und herkömmlichem Empfänger, da es für ersteres eigentlich eine Nummer zu groß ist.

 

Hier noch zwei Bilder vom fertigen Objekt: